Titel

Josef Alfers (Herausgeber):

„Mit Liudger auf dem Lebensweg“,

176 Seiten, Dialogverlag Münster 2009,

ISBN 978-3-941462-06-9,

Preis: 9,80 €

„Mit Liudger auf dem Lebensweg“
Das Buch zum 1200. Todesjahr von Münsters Gründerbischof Liudger

Forscherglück – Dr. Ludo Jongen, Dozent für mittelniederländische Literatur an der Universität Leiden, machte in der Königlichen Bibliothek Brüssel einen spannenden Quellenfund. Er entdeckte eine Handschrift aus dem Sankt Aegtenkonvent in Amersfoort um 1481. Diese in Mittelniederländisch verfasste Handschrift enthält eine Reihe von Heiligen-Biographien, darunter »Das Leben des heiligen Bischofs Sankt Liudger«. Im jetzt im Dialogverlag Münster erschienenen Buch wird diese Liudger-Vita im Faksimilie abgedruckt, erstmals ins Deutsch übersetzt und von Ludo Jongen literarisch eingeordnet, während der münstersche Kirchenhistoriker Professor Dr. Arnold Angenendt die Handschrift historisch bewertet.

Von den bislang bekannten Lebensbeschreibungen Liudgers (742 bis 809) unterscheidet sich die jetzt entdeckte Amersfoorter Handschrift in zweierlei Hinsicht: durch ihre mittelniederländische Sprache und den weitgehenden Verzicht auf Wundererzählungen im Inhalt:
>  Ludo Jongen stellt fest: »Bislang ist keine weitere mittelniederländische Version dieses Heiligen und Patrons des deutschen Bistums Münster bekannt.«
>  Ludo Jongen interpretiert die ungewöhnliche Straffung der Lebensbeschreibung des Missionars: »Das Weglassen des Wunderbaren betont die Anstrengung, die Ludger mit der Predigt der Frohen Botschaft auf sich nimmt. Er bekehrt nicht leichthin mit Gottes Allmacht, sondern beharrlich und mühevoll mit Argumenten. Ludger ist ein überzeugter und überzeugender Diener Gottes.«

Der Herausgeber des Buchs, Dompropst Josef Alfers aus Münster, deutet diesen Verzicht auf Wundergeschichten positiv: »Ohne solche, nicht selten ablenkenden Ausschmückungen tritt Liudgers Unterwegssein umso stärker in den Vordergrund.« Man sei versucht, so folgert Alfers weiter, »aus diesem Umherziehen zwischen Friesland, York, Deventer, Rom, Montecassino, Werden und Münster Vergleiche zu ziehen zum suchenden Menschen unserer Zeit«.

 

Professor Angenendt ordnet »den erstaunlichen Fund« der Vita kirchengeschichtlich ein. Offenbar gehörten die Frauen im Amersfoorter Kloster der spätmittelalterlichen Bewegung der »Devotio moderna« an. Angenendt erläutert: »Die Devoten wollten zum ursprünglichen Christenleben zurückkehren. Dabei haben sie sich offenbar auch auf die christlichen Anfänge im eigenen Land besonnen.« Das erkläre auch den Verzicht auf Wunder in der Vita. Angenendt veranschaulicht, worauf es dem Frauenkonvent ankam: auf »das fromm-ergebene und allzeit gottgefällige Streben nach Vollkommenheit, nicht die großen Wundertaten, sondern alltägliches Vollkommenheitsstreben«. Darum, resümiert der Kirchenhistoriker, »mag der Text uns ermuntern, Liudgers neu zu gedenken«.

Dompropst Alfers zeigt sich dankbar »für dieses literarische Geschenk« im Liudger-Jahr. Aus Anlass der Einführung von Bischof Felix Genn verweist er auf die schlichte Beschreibung von Liudgers Dienst in der Vita: »Fortan erfüllte Liudger treu die Aufgaben eines Bischofs. Er predigte und taufte, stärkte das Volk in seinem Glauben und feierte den Gottesdienst an vielen Orten.«

In einem weiteren Beitrag begründet der neue Bischof von Münster, Dr. Felix Genn, die bleibende Bedeutung Liudgers. Über die Heiligenverehrung schreibt er: »Das Heiligsein Liudgers sagt uns: Das Einmalige in seinem Leben ist zum Immerwährenden für unser christliches Leben geworden; und so wird Liudger als Heiliger nie zu einem Menschen der Vergangenheit, zu jemandem »von gestern«. Im Gegenteil: Wie alle Heiligen mit ihm, so ist auch er ein Christ von morgen, ein zu Christus gehörender Mensch, Zeuge eines wahren Christseins für alle Menschen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Er ist heilig, weil etwas von der missionarischen Aura seines Lebens spürbar geblieben ist, der Schwung seines Einsatzes für das Evangelium Christi manche noch heute in Schwingungen versetzt. Das Christsein des Liudger hat seine Faszination nie verloren. Deshalb wird Liudger heilig genannt. Dass er heilig ist, charakterisiert seine Verehrung durch uns: Unser Loblied auf ihn wird zugleich zu einem Loblied auf Gott.«

Ergänzend stellen drei Bildteile im Buch die Verehrungsorte Liudgers vor: Werden als Ort der Grabeskirche, Billerbeck als Sterbeort des Bistumsgründers und Münster als Ort der Bistumsgründung. Darüber hinaus lädt der Billerbecker Propst Hans-Bernd Serries zu einer Gebetsbetrachtung über Liudger ein.

 

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Titel

 
DOMS
Efing, Andreas / Hibben, Thomas /
Hunecke, Steffen / Schrörs, Tobias:
»D.O.M.S. – Lateinische Inschriften im Dom zu
Münster. Stiftungen für das Seelenheil.
Übersetzt. Kommentiert. Gedeutet«
dialogverlag Münster, ISBN 978-3-941462-00-7
184 Seiten, 14,80 €
»... und starb ruhmreich, sanft und fromm«
Was Inschriften im münsterischen St.-Paulus-Dom über Leben und Glauben früherer Generationen erzählen

Der münsterische St.-Paulus-Dom ist sprechender Zeuge für den Glauben im Bistum Münster. Vier Spezialisten haben in mühevoller Detailarbeit lateinische In­schrif­ten aus dem Gotteshaus ins Deutsche übertragen. Das aufschluss­reiche neue Buch ist ein wichtiger Dienst an der Wissenschaft und zugleich ein Geschenk für die große Schar der Freunde des Paulus-Doms.

Die Architektur drückt Majestät aus. Der gezielte Lichteinfall der Fenster lenkt den Blick auf die Mitte, den Vierungsaltar. Kunstwerke dienen gleichermaßen der Ehrbezeugung Gottes wie der Ausdeutung seiner Botschaft für die Gläubigen. Bedeutende Dome wie die Mutterkirche des Bistums bezeugen eindrucksvoll den Wunsch von Gläubigen aller Zeiten, mit kreativer Kraft Gott die Ehre zu geben. Manches Kunstwerk im Dom aber dringt inzwischen mit seiner Aussage nur noch begrenzt zum Betrachter durch. Er mag vielleicht noch die Darstellung als ihm bekannte biblische Szene identifizieren, aber die Inschrift bleibt ihm zumeist verschlossen, weil sie in Lateinisch verfasst ist. Selbst wenn er Schullatein beherrschen sollte, dürfte er vielfach scheitern. Denn Inschriften im Paulus-Dom verwenden vielfach umgangssprachliches Latein, und Abkürzungen gestalten das Entziffern noch schwieriger.

Ausführliche Buchbesprechung 

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